Warum ich nach nur 1 Woche mein Zimmer wechseln musste - unfreiwillig
Was gibt es schöneres, als nach Italien zu ziehen?
In Italien umziehen. Das heißt nämlich, dass man schon vor seinem Umzug in diesem außerordentlich schönen Land gelebt hat. Die Ausnahmeliste umfasst jedoch:
- Sich den Tag des Umzugs nicht selber aussuchen können
- Am Tag des Umzugs krank sein
- Um 11 Uhr Morgens krank im Bett liegend geweckt zu werden. Von einem Studenten, der ab jetzt an deiner statt in deinem ehemaligen Zimmer leben möchte
- Nur 3h zum Umzug in dein neues Zimmer zu haben, obwohl du gerade krank, schlapp und eigentlich mit Wärmflasche ans Bett gefesselt bist
In meinem Fall trafen alle diese Punkte zu. Vielmehr noch: Ich war nicht mal der (Haupt-) Schuldige an der ganzen Misere.
Alles von Anfang an
La tua stanza è nel Padiglione Fiume, so in building
FDer Pförter, der mir den Schlüssel überreichte
Ich, ganz im Vertrauen auf den Pförtner, der gerade meinen Perso gescannt hatte, 20 Unterschriften eingesammelt hatte, bereits vor 4 Monaten die ersten 300€ Anzahlung für mein Zimmer erhalten hat (vermutlich nicht er persönlich) und dem ich angesichts meiner Abhängigkeit von einem bezahlbaren Zimmer in Mailand eine halbe Niere abgegeben hätte, folgte am 1. März 2026 dieser Wegbeschreibung zu meinem neuen Zimmer und schloss die Tür in mein neues Wohnglück auf.
Ich räumte meinen Kleiderschrank sowie Schreibtisch ein und erkundigte meine neuen vier Wände. Das war schnell erledigt, denn das Bad bestand aus Klo, Bidet und Dusche, während im Wohnschlafessflur neben gemeinsamen Kühlschrank und Mülleimer nur je zwei Betten, Nachttische, Kleiderschränke und Schreibtische standen. Mein Mitbewohner stellte sich als ganz sympathisch heraus. Ich bekam die Erlaubnis, seine Pfanne mitzubenutzen (ein großer Pluspunkt). Sein Bett machen war ihm jedoch keine Priorität, was mir sofort etwas negativ auffiel.
Da wir uns das kleine Zimmer teilen, war mir das nicht ganz so egal wie im Falle, das er sein eigenes abgetrenntes Zimmer nicht aufräumte. Uns trennten allerdings keine Zimmertür, sondern lediglich 3 Meter Luftlinie. Auf den geschlossenen Klodeckel im Badezimmer musste ich ihn ebenfalls hinweisen. Den Kühlschrank putze ich gründlich, bevor ich meinen ersten Einkauf tätigte. Dabei entsorge ich Eisbergsalatsuppe. Womöglich handelte es sich auch nur um vergammelten Salat, der bereits wässrig geworden war. Essbar war er garantiert nicht mehr. 15 Minuten einweichen mit warmen Seifenwasser löste auch die angetrockneten Cola-Lache im Gemüsefach und alsbald fühlte ich mich wohl in meinem nun saubereren Zuhause.
Bis sich an jenem verheißungsvollen Tag, etwa eine Woche später, herausstellte, dass ich im falschen Zimmer eingecheckt war. Ich lebte zwar in der richtigen Zimmernummer, nur leider im falschen Gebäude. In den hochoffiziellen Dokumenten der Hausverwaltung stand, so informierte mich der Verwalter, dem ich in hochoffiziellem Schlafanzuggewand samt Wärmflasche (wortwörtlich eine wärmende Flasche, umwickelt mit einem Handtuch) in der Hand entgegentrat, dass ich tatsächlich im Padiglione Prandoni, also Gebäude Pwohnen sollte.
Nunja. Verhandeln konnte ich mit dieser Autorität nicht. Zum Glück bekam ich Unterstützung durch meinem Vater und seine Begleitung, die mich Anfang März in Mailand besuchten (In der Heldengeschichte wird natürlich stehen, dass sie extra für meinen ungeplanten Umzug angereist sind :).
Nachdem meine Sachen gepackt worden waren (auf Grund meines geschwächten Zustandes nur das wenigste von mir selber), schleppten wir das Gepäck zwei Gebäude weiter. Ich bezog mein neues Bett (von alleine wohlgemerkt) und fiel ich in einen Siebentageschlaf, der von 14 bis 9 Uhr am nächsten Tag andauerte.
Warum stellte sich dieses ganze Drama erst so spät heraus?
Ursprünglich dachte ich, der Wärter hätte mich für Haus Punterschreiben lassen, mir aber irrtümlich den Schlüssel für Haus Fgegeben. Tatsächlich besaß ich jedoch den korrekten Schlüssel für Haus P. Nur leider passte dieser ebenso in das Zimmer mit gleicher Zimmernummer im Hause F. Obendrein war im besagtem Zimmer in Haus Fgerade ein Bett frei und neue Bettwäsche sowie Handtücher deponiert worden. Dies erzeugte die perfekte Illusion, dass ich in diesem Zimmer richtig wäre.
Die positiven Aspekte nicht aus dem Auge verlieren
Ein paar Tage später kann ich mich nicht mehr über den Wechsel beschweren. Abgesehen vom Timing grauenhaften Timing habe ich nun im Bad statt einer angeschimmelten Wand ein süßes Fenster. Mein Mitbewohner macht sein Bett und räumt seinen Schreibtisch auf. Wir haben nun einen echten Flur, indem unsere Kleiderschränke stehen, wodurch auch im Wohnessschlafzimmer deutlich mehr Platz ist. Dieses ist ebenfalls mit 2 Fenstern ausgestattet aber größer und dadurch einladender. Statt einem umtriebigen Italiener, der jeden Morgen um 7:00 Uhr einen unfassbar lauten Wecker ertönen lässt und dennoch nie vor 8:30 Uhr aufsteht, habe ich jetzt einen ruhigen Polen als Mitbewohner, der mir ebenso seine Pfanne und Topf leiht (Pluspunkt). Der Kühlschrank hat kein Loch im Deckel und bedurfte keiner Putzaktion.
Das zweite Mal Koffer ausräumen in Italien war weniger aufregend als beim ersten Mal, dafür jedoch mit der Erleichterung verbunden, dass ich mich hier jetzt wirklich für die nächsten vier Monate wohlfühlen darf.
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